Tadeusz Pankiewicz – Die Apotheke im Krakauer Ghetto

Tadeusz Pankiewicz – Die Apotheke im Krakauer Ghetto


Foto: Jerry Bergman




Als nach der deutschen Besetzung Polens in Krakau ein „jüdisches Wohnviertel“ eingerichtet wurde, fand sich seine Apotheke im abgezäunten Bereich des Krakauer Ghettos wieder. Da Pankiewicz sich erfolgreich, unter anderem mit Schmiergeld, gegen eine Verlegung der Apotheke wehrte, überstand die Apotheke die zweieinhalb Jahre des Ghettos von 1941 bis 1943. Die Apotheke überstand auch die weiteren Kriegsjahre und wurde 1951 in der Volksrepublik Polen verstaatlicht. In den 1980er Jahren wurde ein kleines Museum eingerichtet.





Für seinen Einsatz und die Hilfe bei der Rettung von Juden vor ihrer Ermordung im Holocaust wurde Pankiewicz 1983 mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Seine Kriegserinnerungen beschrieb er in dem Buch Apteka w getcie krakowskim (Erstausgabe 1947). Das Manuskript für die deutsche Fassung des Buches, sowie das Foto befinden sich im Forschungsarchiv zur Person und Pädagogik von Janusz Korczak an der Hochschule Düsseldorf.





(Quelle: Wikipedia)


Rückblick zur Korczak-Fachtagung an der Hochschule Düsseldorf


Am 17. und 18.09.2022 fand an unserem Fachbereich die internationale Kooperationstagung „Von Janusz Korczak zu Kinderrechten heute“ der Deutschen Korczak-Gesellschaft e.V. und des Korczak-Archivs mit ca. 60 Personen statt.
Die Teilnehmenden und Vortragenden kamen aus Deutschland, Polen, der Schweiz, den Niederlanden, Österreich und Bulgarien, um sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.
Neben einführenden Vorträgen zum Leben und Werk von Janusz Korczak sowie seiner Haupterzieherin Stefania Wilczyńska, standen in den Vorträgen das Verhältnis von Medizin und Pädagogik bei Korczak, die Kinderrechte in pandemischen Zeiten sowie Kindheiten im Krieg und die Frage wie man mit Kindern darüber sprechen kann, im Fokus der Tagung.
Ergänzt wurde das Tagungsprogramm durch eine Vorstellung des Korczak-Archivs, eine Führung durch den Erinnerungsort Alter Schlachthof und die Präsentation kreativer Arbeiten von Studierenden zum Thema Kinderrechte aus den letzten Semestern.





Ein besonderes Highlight war die Ausstellung von Glastafeln des Künstlers Dr. Klaus-Uwe Nommensen, in denen er Korczaks Leben künstlerisch aufgreift und mit Zitaten von Korczak aber auch aus der Bibel gestaltet. Diese Ausstellung konnte nicht nur auf der Tagung selbst betrachtet werden, sondern wird nun bis Ende Oktober in der Hochschulbibliothek ausgestellt.





Insgesamt war es eine gelungene, vielfältige und ertragreiche Tagung.  





Fotos der Tagung können Sie hier einsehen.


Korczaks Brille






Korczak hatte wahrscheinlich mehrere Brillen. Die Brille, die am 5. August 1942 vom Erzieher des Waisenhauses, Herrn Misza, gefunden wurde, ist der einzige erhaltene persönliche Gegenstand von Janusz Korczak (Henryk Goldszmit).





Die Geschichte, wie die Brille und die Dokumente von Korczak nach der Deportation aus dem Waisenhaus gerettet wurden, ist allgemein bekannt. Sie wurden von Herrn Misza am 5. August 1942 nach der Deportation des Waisenhauses in das Vernichtungslager Treblinka gefunden und mitgenommen.





Korczaks Brille und andere persönliche Gegenstände wie sein Tagebuch und andere Texte wurden aus zwei Koffern unter dem Bett des Arztes in einen großen Koffer umgepackt. Nach Einbruch der Dunkelheit gingen die vier Überlebenden der Deportation zu Fuß über die Brücke zum Großen Ghetto.





Herr Misza, beschrieb diesen schrecklichen Tag, Mittwoch, den 5. August 1942, so:
„Korczak verabschiedete uns wie immer früh am Morgen, wenn wir zur Arbeit gingen. Als wir auf dem Weg zur Arbeit das Ghettotor passierten, stellten wir fest, dass das Ghetto von Militär- und Polizeikräften umgeben war, darunter auch die berüchtigten brutalen lettischen Einheiten. Ohne weiter darüber nachzudenken, gingen wir versammelt und bewacht zur Arbeit in der Listopada-Straße Nr. 21, auf der anderen Seite der Weichsel, in Praga. Dort arbeiteten wir am Bau einer Lagerhalle auf dem Gelände einer ehemaligen polnischen Militäreinheit, deren Gebäude noch heute existieren. Die Arbeitsgruppe aus dem Ghetto bestand aus deutschen Juden, Herrn Misza – Michal Wasserman Wróblewski und drei Jungen, ehemaligen Schülern aus dem Waisenhaus Korczak. Normalerweise gingen sie durch eines der beiden Ghettotore in der Nähe des Krasiński-Gartens. Anschließend gingen sie die Miodowa-Straße entlang, über die Krakowskie Przedmieście und dann über die Kierbedzia-Brücke über die Weichsel nach Praga. Von der Brücke aus folgten sie der Zygmuntowska-Straße bis zur Targowa-Straße. Nach einiger Zeit kamen sie an der Listopada-Straße an.





Der Weg zur Arbeit auf der Baustelle in der Listopada-Straße in Praga war beschwerlich, besonders in Arbeitsstiefeln und mit leerem Magen. Zur Arbeit 5 km und nach der Arbeit wieder 5 km nach Hause ins Ghetto!





So beschreibt Herr Misza seine Rückkehr ins Waisenhaus:
„Wir, Dawidek, Jankielek, Moniuś und ich, kehrten um sechs Uhr abends in das Ghetto zurück. Wir hatten die gekauften Lebensmittel bei uns. Die Straßen des Kleinen Ghettos waren völlig still, ohne Leben, Straßen, die immer voll und laut waren. Wir hielten dies für ein Zeichen einer Katastrophe. Auf dem Heimweg nach Sienna erhielten wir die Information, dass die Deportation stattgefunden hatte. Das Waisenhaus war leer. Auf den Tischen standen Teller und Tassen mit zu wenig getrunkenem Tee.





Ich betrat das Zimmer von Korczak, einen fensterlosen Raum, den er mit mehreren kranken Kindern teilte. Sein Bett und die Betten der Kinder waren durch kleine grüne Leinwände getrennt. Korczaks Draht-(Metall-)Brille lag auf dem Tisch. Daneben stand eine Karbidlampe, in deren Licht er seine Beobachtungen über Kinder und sein Tagebuch schrieb.
In zwei kleineren Koffern unter dem Bett von Korczak befanden sich verschiedene Dokumente. Ich habe sie alle in einen größeren Koffer gepackt. Vom Nachttisch habe ich auch seine Brille und einige Papiere genommen.“





Im Schutze der Dunkelheit überquerte Herr Misza und drei ehemalige Schüler die Brücke zum Großen Ghetto und versteckten sich bei einem ehemaligen Schüler des Waisenhauses, Felk Grzyb. Dawidek, Jankielek, Moniuś und mein Vater lebten mehrere Monate lang zusammen. Ihr letztes gemeinsames „Quartier“, wie mein Vater ihre Wohnorte nannte, befand sich in der Ostrowska-Straße im Großen Ghetto. Wer die Dokumente vom Großghetto auf die arische Seite rübergeworfen hat, weiß Herr Misza nicht mehr. Herr Misza ging mit den ehemaligen Schülern noch einige Monate lang zur Arbeit nach Praga, bis er sie dazu überredete gemeinsam aus dem Ghetto zu fliehen.





Das Tagebuch, die Brille und andere Dokumente erreichten offenbar sieben Tage nach der Deportation des Waisenhauses nach Treblinka, am 12. August 1942, Igor Newerly auf der anderen Seite der Mauer.





Dieser brachte die Sachen in das Waisenhaus „Nasz Dom“ wo sie bis zum Kriegsende eingemauert wurden.









(Genehmigte Übersetzung des Berichts von Roman Wassermann, dem Sohn von Misza Wassermann von seiner Seite.)


Vor 80 Jahren






„Ich gieße die Blumen. Meine Glatze im Fenster – ein gutes Ziel?
Er hat einen Karabiner. – Warum steht er da und sieht ruhig her?
Er hat keinen Befehl.
Und vielleicht war er als Zivilist Dorfschullehrer, vielleicht Notar, Straßenfeger in Leipzig, Kellner in Köln?
Was würde er tun, wenn ich ihm zunickte? – Freundschaftlich mit der Hand grüßen?
Vielleicht weiß er gar nicht, dass es so ist, wie es ist?
Er kann erst gestern von weither gekommen sein…“

[Korczak, 4. August 1942]





Dies waren Korczaks letzten Sätze in seinem letzten Tagebucheintrag am 4. August 1942. Einen Tag später wurde er, 192 Kinder und alle anderen Bewohner*innen des Warschauer Waisenhauses zum Umschlagplatz getrieben und nach Treblinka deportiert.





Vielfach wird die Legende überliefert, dass Korczak erhobenen Hauptes, Kinder an der Hand und auf dem Arm Richtung Waggons schreitete. Die Kinder, singend und in ihren besten Kleidern gingen von einem Ausflug aufs Land aus.

Die Realität sah jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit anders aus. Eher so, wie es von der Autorin Olczak-Ronikier in ihrem Buch „Próba biografi“ beschreibt: Korczak war schon gesundheitlich sehr angeschlagen und erschöpf ging mit den Kindern und restlichen Bewohner*innen schweigend und völlig desillusioniert Richtung Umschlagplatz. Kein Lachen, kein Singen.

Ob Korczak in Treblinka ermordet wurde, oder ob er schon auf dem Weg, seiner Krankheiten und Schwäche erlag ist unklar.

Sein offizieller Todestag wurde von dem Gericht in Lublin (Polen) auf den 7. August gelegt.


16. – 18. September: Korczak-Tagung noch wenige Plätze frei


Vom 16. bis zum 18. September findet eine Korczak Tagung an der Hochschule Düsseldorf in Kooperation mit der Deutschen Korczak Gesellschaft statt, für die nur noch wenige Plätze frei sind.





Das aktuelle Programm und weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite






Korczak Film Wettbewerb


Unter dem Motto: „Hinterlasse die Welt nicht wie du sie vorgefunden hast“ (Korczak) wird ein Filmfestival ausgetragen, für das noch Videoeinreichungen bis zum 20. Oktober möglich sind.





Weitere Infos unter diesem Link.






Künstlerisches Spektakel


Heute, vor 80 Jahren, am 15. Juli 1942, vier Tage vor Beginn der großen Deportation aus dem Warschauer Ghetto fand im Janusz-Korczak-Waisenhaus in der Siena-Straße 16 in Warschau die „letzte Aufführung im Ghetto“ statt, die von den Kindern aufgeführt wurde.
Wenige Tage zuvor, am 15. Juli 1942, waren Einladungen von diesem Haus verschickt worden. Auf ihnen stand nicht der Titel der Aufführung, sondern nur „Spektakel“. Es war ein Theaterstück mit dem Titel „Die Post“, das auf dem Nobelpreisträger Tagore basiert. In diesem Stück wird der Tod thematisiert, es wird vermutet, das Korczak den Kindern dadurch die Auseianndersetzung mit dem Tod ermöglichen und sie evtl. auf ihren eigenen Tod vorbereiten wollte.
Die Einladung war an Tzvi Lubetkin und Yitzhak „Antek“ Cukierman (stellvertretender Kommandant des Ghettoaufstands, Anielewicz) gerichtet.










Koczak Symposium in Passau: Janusz Korczak im Europa des 21. Jahrhunderts


Am 11. und 12. Juli findet in Passau ein Koczak-Symposium mit sehr interessanten Vorträgen statt.





Informationen finden Sie unter dieser Homepage


Podcast zum Thema: Mit Kindern über Verlust, Tod und Krieg sprechen


Die Vorsitzende der Deutschen Korczak Gesellschaft Prorf’in Dr’in Agnieszka Maluga hat zum Thema: „“Da fehlen mir ide Worte.“ – Mit Kinder über Verlust, Tod und Krieg sprechen.“ gesprochen und sich u.a. auf Janusz Korczak bezogen.





Eine wirklich sehr interessante und hochaktuelle Folge, die Sie sich unter diesem Link anhören können.


Neue Weiterbildung Korczak-Pädagogik an der Hochschule Koblenz


Partizipation – Kinderrechte – Wertschätzung in der Kita
Von Janusz Korczaks Leben und Werk gehen wichtige Impulse für die Pädagogik in der Kita aus, wie z. B. eine pädagogische Haltung, die sich in Theorie und Praxis konsequent an Kinderrechten orientiert.
Diese Weiterbildung verfolgt das Ziel, die Korczak-Pädagogik für unsere heutige Arbeit in Kindertageseinrichtungen fruchtbar zu machen:

– Korczak als Wegbereiter der Kinderrechte kennenlernen
– Janusz Korczaks Pädagogik der Achtung und Wertschätzung
– Vorbild in Sachen Partizipations- und Beschwerdeverfahren
– Fröhliche und humorvolle Pädagogik
– Inspiration für den Kita-Alltag
– Korczak-Pädagogik in der Praxis umsetzen
– Partizipative, bildungs- und resilienzfördernde Methoden für die Kita planen und erproben

Diese und viele andere Themen werden in sechs Modulen teils an der Hochschule Koblenz teils online bzw. digital behandelt. Mehr dazu erfahren Sie im Flyer und auf der Veranstaltungshomepage

Das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung und Weiterbildung freut sich auf Ihr Interesse.





Bei Fragen können Sie sich an den wissenschaftlichen Referenten, Herrn Julian Keitsch, wenden: keitsch@hs-koblenz.de


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